"Das ist reine Ansichtssache!"


Wie oft ist uns diese Aussage schon begegnet. Sie wirkt schroff, distanziert und ich-bezogen. Und: sie ist falsch in allem.

Wir stellen eine quadratische Pyramide (wie die in Ägypten) in einen Raum in dem sich 2 Personen befinden. Der erste sitzt genau vor der Pyramide und sagt: "Ich sehe ein Dreieck." Der zweite aber sitzt schräg vor der Pyramide. Der sagt: "ICH!: sehe 2 Dreiecke!" Jetzt lukt ein dritter von oben durch ein Loch in der Decke in den Raum genau auf die Pyramide und sagt natürlich: "Ich hab mir die ganze Sache von oben betrachtet: Es sind VIER Dreiecke!" Sofort rennt der zweite nach oben zu dem dritten: Er will auch die vier Dreiecke sehen! Der erste aber bleibt unten und sucht die zwei Dreiecke, die der zweite gesehen hat und läuft um die Pyramide herum. Au Backe: "Es ist eine Pyramide!" ruft er nach oben. Aber die beiden von oben rufen runter: "Was?? Hör auf jetzt! Es sind vier Dreiecke! Wir können sie genau sehen! Komm hoch und zeig uns doch mal, wie deine Pyramide aussieht?!"

Wer ertappt sich nicht dabei, über Dinge zu reden und zu urteilen von denen er oder sie nur Bruchstücke weiß und sieht - wir klammern uns da keines Falls aus. Sicher kommt es auf die Ansicht an, wie verschiedene Dinge wahrgenommen werden. Wie diese dann aber in Wahrheit aussehen ist eine ganz andere Sache. Es ist also nicht "Ansichtssache", wie man eine Gegebenheit beurteilen muß.

Wie reden und denken wir nun über Dinge, die wir noch nicht mal sehen können, von denen wir nur hören?
Es werden Gefühle wach, Erfahrungen oder Hoffnungen werden aktiviert und nicht selten sind wir schon zu einem Urteil gelangt, bevor wir uns das einmal angesehen haben. Wir sind so von unserer Sichtweise eingenommen, daß wir der Realität keinen Raum mehr geben. Das ist mit dem Glauben an Gott nicht anders. Johannes 3,8:

"Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist."

Wir können Gott nicht zeigen, aber wir können seine Nähe vermitteln. Und das auch nur, wenn Gott selbst uns dabei hilft. Gott ist ein wenig wie die Luft, die wir täglich atmen (wir meinen natürlich saubere Luft. Schade, daß man das hier so hinzufügen muß). Diese Luft ist für unser Leben notwendig. Wir können sie spüren (Wind, Kälte, Hitze), aber sehen und zeigen können wir sie nicht. Wir können jemanden anpusten damit er Luft spürt; mehr nicht. Gott ist wie Luft, Er umgibt uns täglich, wir brauchen Ihn für unser Leben, genau wie Luft. Aber spüren wir Ihn? Spüren wir die Luft? Ja, wenn uns zu kalt ist oder zu warm, aber sonst? Wie gewohnt ziehen wir die Luft in unsere Lungen und merken es nicht einmal. Genau so ist es mit Gott (Mattäus 4,4):

"... Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht."

Täglich spricht Gott die Worte, die uns (und Dich!) am Leben erhalten, nur hören tun wir sie nicht immer. Genau wie Luft. Luft nehmen wir als vorhanden und real existierend an und benutzen sie für unser Leben, ohne uns darüber Gedanken zu machen. Und Gott? Wenn Gott "Luft" für Dich ist, dann überlege mal was Luft bedeutet. Den Wind kannst Du nicht fassen, was willst Du mit Gott tun?
Für uns ist dieses "an Gott glauben" keine Ansichtssache sondern eine Sache von Suchen. Wir können viel über Gott philosophieren und lamentieren, wer sich aber auf die Suche nach der Wahrheit macht wird sie erkennen, der wird auch erkennen, daß die vier Dreiecke aus der Geschichte (oben) eigentlich zu einer Pyramide gehören. Du mußt Deinen Standort verlassen und auf die Suche nach der Wahrheit gehen, um die Pyramide zu entdecken. Sonst wird Dich eines Tages die Realität Gottes einholen, was viel schlimmer und evtl. zu spät ist. Von da oben siehst Du nur vier in ein Quadrat gequetschte Dreiecke.

Für uns ist Gott Realität, genau wie die Luft: die wir atmen, die wir brauchen, die wir manchmal spüren, aber nicht sehen und schon garnicht fassen können. Und wir sind auf der Suche.

"...und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen." , Johannes 8,32

So lang ich denken kann ist dieser Vers im Wohnzimmer meiner Eltern präsent. Und den will ich nie vergessen. Er war Zuflucht und Hilfeschrei an manchen Tagen.
Der Mensch wird immer wieder durch den Absolutismus Gottes erschreckt. Das kommt daher, weil der Mensch selbst relativiert und mit der Unabwendbarkeit einer absoluten Realität nicht leben kann. Will er doch sein Leben selbst in die Hand nehmen. Was passiert, wenn wir entdecken das Gott absolut und unveränderlich Wahrheit ist und nun doch alles, was in der Bibel steht wahr ist? Dann sind wir Ihm voll und ganz ausgeliefert und von Ihm abhängig. Das will der Mensch aber nicht! Der Absolutismus Gottes stellt eine solche Macht dar, daß der Mensch gewillt ist vor ihr zu fliehen. Sei es nun aus Furcht oder aus Übermut: in beiden Fällen fängt der Mensch an, sich seine eigene, philosophisch begründete und mit Prinzipien behaftete Scheinwelt zu kreieren. Und dabei fühlt er sich auch noch schlau!
Bei Gott aber gibt es kein "relativ" und keine "der Sichtweise entsprechende Wahrheit". Gott ist absolut und real. Er ist der "Ich-bin" (2.Mose 3,14). Und das ist auch sein Name für alle Zeit (2.Mose 3,15). Das soll so viel heißen wie: "Ich bin wirklich da", "Ich bin immer da", "Ich existiere". Wenn Gott ja sagt, dann ist ja. Wenn Er nein sagt, dann ist nein. Da ist kein Platz für "mal sehen", "vielleicht", "unter Umständen", "eventuell" oder ähnliches. Gott kennt keine Zweifel und keine besonderen Umstände. Und das mögen wir nicht! Wir mögen es nicht, wenn ein anderer über unser Leben bestimmt. Gott aber tut das. Er fragt uns nicht einmal nach unserem Einverständnis! Gehen wir vor Gericht; es interessiert Ihn nicht! Er kann mit uns machen, was Er will! Wenn Er zu uns sagt: "sterben", dann sterben wir... wer will das ändern?

Wir glauben, daß Gott Realität ist und uns geschaffen hat. Darum glauben wir auch, daß es eine absolute Wahrheit gibt in allen Dingen, die uns, unser Leben und unsere Umwelt betreffen. Richtige Entscheidungen können wir nur treffen, wenn wir uns der Realität Gottes ausliefern. Obwohl wir um diese wissen und an Gott glauben geschehen immer wieder grobe Fehlentscheidungen, wenn wir ich-bezogen und vorschnell denken und handeln.

Ausserdem glauben wir, daß in der Bibel Wort für Wort die Wahrheit steht. Immer wieder hören wir, daß man nicht alles, was in der Bibel steht, wörtlich nehmen kann. Warum nicht? Nur weil wir einiges nicht verstehen? Oder weil wir uns die Bibel zurechtbiegen und "zeitgemäß" machen wollen? Es ist nicht eine Frage der Auslegung sondern eine Frage von Erkenntnis und Glauben zu begreifen, was wirklich in der Bibel steht. Wenn Gottes Wort wahr ist, warum sollte dann in dem, was wir "Gottes Wort" nennen, falsches stehen? So viel Wahrheit wie in der Bibel, selbst wenn Übersetzungsfehler auftreten, gibt es in keinem anderen Buch. Das haben wir erkannt und wagen es nicht, auch nur einen Strich aus der Bibel auszulassen.

Auch unser Leben hängt voll und ganz von der Gnade Gottes ab. Sein unabwendbarer Absolutismus macht uns manchmal Furcht, gibt uns aber auch Sicherheit denn es steht durch Jesus Christus ein großes "JA"! Gottes JA zu unserem Leben. Und darauf können wir uns verlassen, denn sein Wort ist wahr, gerecht und unabwendbar! Genau so wie wir wohl auch sein "Nein" befürchten, dürfen wir doch auf sein "JA" hoffen in dem wir an Jesus Christus glauben. Den hat Gott als Opfer gegeben für unsere Schuld. Ohne Wenn und Aber.

Wir glauben, daß Jesus als Sohn Gottes leibhaftig auf der Erde war und für unsere Schuld, als für unser Leben notwendiges Opfer gestorben ist. Durch seine Auferstehung von den Toten (an die wir auch glauben) und sein Hinaufgehen zu Gott, seinem Vater, wurde uns ein Weg zurück zu Gott geebnet. Denn wenn wir Ihm folgen, gehen wir genau seinen Weg: durch den Tod hindurch zu Gott. Das wollen wir. Und wir hoffen, daß wir viele mitnehmen dürfen.





Ich bitte mit allem Nachdruck darum, bei einer eventuellen Zitierung aus diesem Text, den Zusammenhang zu beachten und den Inhalt nicht zu verfälschen!




Alle Bibelzitate wurden der Revidierten Elberfelder Bibel entnommen.
© 1985/1991, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal



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